TEXT

„Meine Malereien bilden eine visuelle Sprache ohne Worte, das Gemälde kommuniziert in seiner eigenen, ambivalenten Art und Weise. Während des Schaffensprozesses hat gesprochene oder geschriebene Sprache keinen Einfluss – ich denke nicht einmal bewusst“, beschreibt Gosia Machon ihre eigene künstlerische Arbeitsweise. Dabei transportieren die entstehenden Zeichnungen und Malereien eine zuweilen geheimnisvoll anmutende Kombination aus persönlicher Innenschau und überpersönlicher Sicht auf die Conditio humana. Dazu entsendet die Malerin die Figuren ihrer Bildwelten in vielschichtige Aktions- und Gedankenfelder, um den Grundthemen des Menschseins auf die Spur zu kommen.

In ihren neuesten Gemälden wird die Natur zum Leitmotiv. Vor oder in beeindruckenden malerisch abstrahierten Szenerien bewegen sich die Figuren verloren und ohnmächtig in Anbetracht der überwältigenden Kraft der Natur. Zum einen steht diese als Motiv für eine romantische Sehnsucht nach dem Sublimen, zum anderen symbolisiert sie den Zustand der Wildnis in Abgrenzung zur Kultur und auch die unergründlichen Windungen der menschlichen Psyche. Dabei ist der eigene Körper wie auch das Unterbewusstsein des Einzelnen für die Künstlerin Teil der Natur. „Die Wildnis, die ich darstelle, bezieht sich also auf Pflanze wie Mensch. Die dargestellten Räume bilden eine Konfrontation mit einer Natur, die sich nur bedingt bändigen lässt und in der sich alle Gewissheiten auflösen. Inwiefern ist der Mensch Teil dieser Natur, inwiefern kann er sich von ihr lösen?“, so die Künstlerin.

Die Auffassung und Einsicht, dass der Mensch nur eingeschränkte Möglichkeiten hat, sein Leben und seine Umwelt zu beeinflussen oder zu kontrollieren, ist dabei das Grundthema von Gosia Machons Werk.

Von Dr. Katharina Schlüter

Erschienen im Rahmen der Ausstellung SHE WORLD, Galerie im Marstall Ahrensburg 2019